So, nun also der erste Eintrag aus meiner neuen Bleibe!
Ich bin vor ... 3 (?) Wochen umgezogen und genieße das "nichtmehr alleine sein", die Wärme und den Kühlschrank in vollen Zügen :-)
In den letzten Wochen ist die Zeit nur so dahin geflogen.
Ich habe mehr oder weniger viel gearbeitet - habe ganz normalen Unterrich gemacht, Tests schreiben lassen, Arbeitsblätter für andere Lehrer vorbereitet, Weihnachtskarten-Texte formuliert und allen möglichen Papierkram erledigt.
Aßerdem waren wir (Kathy, Fabian und ich) für zwei Tage am Roten Meer, genauer genommen in Eilat (Sonne, Strand, Meer und an die 30° mitte November) und mal wieder am Toten Meer.
Alles hat sich irgendwie ingependelt. Unter der Woche arbeite ich, am Wochenende (genau genommen Freitag und Sonntag) treffe ich mich Freunden oder wir unternehmen irgendwas.
Mit der Mentalität der Menschen komme ich so langsam ganz gut zurrecht, auch wenn es mich immernoch nervt, wenn ich zB zwei Minuten vor Unterrichtsbeginn erfahre, dass meine Stunde ausfällt oder die Tatsache, dass ein Tag nie so abläuft, wie geplant.
Etwas hat sich aber doch verändert in den letzten paar Wochen.
Als Beispiel: Letzten Samstag haben wir abends gegrillt auf der Dachterasse eines Freundes. Es war dunkel, die engen Straßen, die sich den Berg hoch winden nur sporadisch beleuchtet. Dann ein tiefes Brummen von allen Seiten.
Wir befanden uns ganz in der Nähe von einem Flüchtlingslager (es gibt drei) und eine Kolonne von 10 israelischen Militärjeeps schlängelte sich den Berg hoch in Richtung des Camps. Vermutlich haben sie jemanden verhaftet.
Es war nicht schlimm die Jeeps zu hören oder zu sehen, das gehört in gewissem Maße zum Alltag, aber die ganze Situation, die Stimmung war irgendwie bedrückend.
Es kommt mir vor, als nähme ich diese Dinge so langsam überhaupt erst war, als hätte ich es vorher garnicht nicht gesehen.
Man kann hier ohne Probleme nichts sehen!
Ach ja, im Moment ist es sowieso etwas kritisch, wegen der Konferenz in Annapolis. Ich nehme mal an ihr habt davon gehört?
Die Menschen hier sind nicht gerade begeistert davon. Und so gab es dann gestern auch eine große Demonstration in Betlehem und ich glaube auch in Ramallah und Gaza gegen die Konferenz. Es kam zu kleineren Ausschreitungen, ein paar Männer wurden ernsthaft verletzt usw. Wir haben von dem ganzen Spaß nichts (!) mitbekommen, obwohl wir nun wirklich nicht weit vom Zentrum entfernt wohnen.
Mal schauen, wie das in den kommenden Tagen weiter geht.
Ich glaube nicht, dass etwas passieren wird, aber so eine gewisse Unruhe ist schon da.
Aber genug der Schwarzmalerei!
Ich habe hier trotz allem einen ganz normalen Alltag, ganz normale Freunde mit denen ich mich in ganz normalen Kneipen treffe. Nur manchmal ist manches halt ein bisschen anders.
Also, kein Grund zur Sorge!
Achso, apropos normal: Nächsten Samstag ist eine Art Weihnachtsmarkt in Jerusalem und wir (Kathy und ich) arbeiten am Glühwein Stand. Wird bestimmt ein heiden Spaß. Und gleich am nächsten Tag ist Weihnachtsmarkt in Betlehem. Mit unseren neu gekauften Nikolaus Mützen komme ich dann bestimmt so richtig in vorweihnachtliche Stimmung... :-)
Ich wünsch euch allen eine schöne Adventszeit!!!
Liebe Grüße,
Wiebke
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