...habe ich mir vergangenen Sonntag angeschaut. In diesem Eintrag werde ich versuchen die Eindrücke in Worte zu fassen.
Hebron liegt im Süden der Westbank, etwa 45 Minuten entfernt von Bethlehem (mit Bus oder Sammeltaxi). Betritt man Hebron merkt man sofort den Unterschied zu Betlehem. Abgesehen davon, dass Hebron doch ein ganzes Stück größer ist als Betlehem, ist es auch noch eine echte arabische Stadt. Dies merkt man besonders daran, dass die Menschen wohl weniger gewöhnt sind an Touristen/Ausländer – man wird sehr oft angesprochen, wirklich unangenehm wurde es aber in keiner Situation.
Der neuere Teil von Hebron scheint zu einer ganz normalen arabischen Stadt zu gehören; viel Gedränge, belebte Straßen, einfach rundum buntes Treiben.
Erreicht man allerdings die Altstadt erwartet einen ein ganz anderes Bild.
Wie überall gibt es auch hier unendliche enge, verwinkelte Gassen, strenge Gerüche und einige Händler, allerdings herrscht eine gewisse Anspannung. Schaut man nach oben, sieht man den Grund: Die Gassen sind ohnehin schon dunkel, sind aber noch zusätzlich von Gittern „bedeckt“, auf welchen sich Müll und Steine sammeln und auf vielen Dächern sieht man israelische Scharfschützen und etliche Überwachungskameras.
Weshalb Gitter über den Straßen?
Viele Häuser der Altstadt Hebron's sind von israelischen Siedlern bewohnt, die Freude daran haben Steine und Müll auf Passanten zu schmeißen.
Und wozu die große Militär-Präsenz?
Um die Siedler vor den Arabern zu schützen.
In Hebron gibt es drei Siedlungen, eine davon befindet sich mitten in der Altstadt. Hier leben etwa 50 Familien, die in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Häuser einfach übernommen haben - und um eben jene zu beschützen hat wiederum das israelische Militär Häuser übernommen und sich auf dessen Dächern positioniert.
Doch zu den Gittern über den ohnehin schon engen und dunklen Gassen kommt hinzu, dass einige Straßen einfach abgesperrt sind. Ein ganzes Viertel der Altstadt ist komplett abgeriegelt, da hier nur Siedler wohnen.
Der arabische Teil der Altstadt ist eine belebte Geisterstadt.
Man sieht viele Menschen auf den Straßen, allerdings sind viele Geschäfte geschlossen; insbesondere in der Nähe von Übergängen zu den Siedlungen. Besonders beeindruckte mich ein Platz, der relativ zentral in der Altstadt gelegen ist. Früher war hier ein sehr belebter Markt mit vielen Ständen, gesäumt von einigen Geschäften. Als wir dort waren war alles ausgestorben, nur ein paar Männer saßen vor einem Haus und haben Karten gespielt und Kaffee getrunken. Der Grund? Man findet ihn auf den Dächern – wobei eine Mauer und viel Stacheldraht auch nicht gerade einladend sind.
Eindrucksvoll war es auch die Siedlung in der Mitte der Altstadt zu betreten. Man geht durch einen Checkpoint (in diesem Fall zu vergleichen mit einer Kontrolle am Flughafen) und betritt eine absolut menschenleere Straße. Man sieht typische arabische Häuser, jedes einzelne mit einem Shop im Erdgeschoss, allerdings sind alle fest verriegelt. Die meisten Häuser stehen leer. Die Häuser, welche noch bewohnt sind, haben dicke Gitter vor den Fenstern – wiederum zum Schutz vor Steinen und Müll. Geht man einige Meter weiter sieht man wieder ein kleines Kabuff des israelischen Militärs, hinter welchem die Siedlung beginnt. Man hat sich kaum 50 Meter weit bewegt und findet sich plötzlich in einer anderen Welt wieder. Die Straßen sind sauber, das Straßenbild gepflegt und man sieht keinen einzigen Araber mehr – man ist umgeben von streng religiösen Juden. Und nicht zu vergessen: Man befindet sich immer noch im Zentrum von Hebron.
Wenn man den Konflikt hautnah erleben will sollte man unbedingt nach Hebron kommen. Man sieht die Siedlungen nicht wie in Bethlehem aus weiter Ferne, sondern sie sind mitten drin, was eine unheimlich angespannte Stimmung verursacht.
Hebron: fröhlich, laut, bunt – dreckig, arm, verstört. Einfach verrückt und ein bisschen zu intensiv.
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1 Kommentar:
Hi,
ich habe dich hier (wie auch ein paar deiner Kollegen): http://volunity.net/wikiseite/freiwilligenblogs mal mit in die Liste der Freiwilligenblogs aufgenommen - ich hoffe das passt :)
Es würde mich freuen, wenn du dich dort mal umschaust - und wenn du lust hast - dich auf http://volunity.net anmeldest. dann kannst du die liste auch selbst ergänzen!
wir sind eine wachsende gemeinschaft internationaler freiwilliger (und ehemalige). da passt du ja ganz gut rein, denke ich ;)
lg Ben
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